Schwarz-Weiß-Rot-Gold-Braun – Burschenschaften als Teil der extremen Rechten in Chemnitz

Nicht nur in Politik und Musikszene gibt es in Chemnitz rechtsextreme Bestrebungen, auch an Schulen und der Universität stellen sich neuerdings Probleme. Diese gehen vor allem von den seit etwa drei Jahren existenten Burschenschaften aus. Derzeit gibt es in Chemnitz drei aktive Burschenschaften, die „Pennale Burschenschaft Theodor Körner zu Chemnitz“ (pB!), die pflichtschlagende „Freiberger Burschenschaft Arminia zu Chemnitz“ und die „Teutonia zu Chemnitz und Gummersbach“.

Enge Verbindungen zur Politik gibt es vor allem bei der pB! Theodor Körner, zu deren „alten Herren“ auch Martin Kohlmann, Mitglied der Stadtratsfraktion der Republikaner, zählt. Außerdem unterhält pB! gute Kontakte zur „Freiberger Burschenschaft Arminia zu Chemnitz“, mit der sie sich auch personell überschneidet. Die Arminia ist Mitglied des Dachverbandes der „Deutschen Burschenschaft“, innerhalb dessen sie zum äußersten rechten Rand, der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG), zählt. Diese distanziert sich von jeglichem geistigen Separatismus im deutschen Volk („Ein Volk, ein Reich, ein…“) und spricht sich für die Erbmonarchie aus.

Darüber hinaus organisiert die pB! immer wieder Vorträge mit fragwürdigem Inhalt. So lauschten die Chemnitzer Burschen am 15.01.2005 einem Vortrag zum Thema „Historische Betrachtung der deutschen Anthropomorphologie“, in dem ihnen die Lehre des als Vordenker der NS-Rasseideologie bekannten Hans F. K.Günther nähergebracht wurde. Außerdem treten bei Verantsaltungen der pB! Theodor Körner auch prominente Personen aus dem Spektrum der Neuen Rechten als Referenten auf. So gab es beispielsweise Vorträge und Diskussionsabende von und mit Hans-Ulrich Kopp und Bernd Rabehl.

Auf ihren Veranstaltungen pflegen die Mitglieder der pB! Außerdem den in burschenschaftlichen Kreisen üblichen ätzenden Geschichtsrevisionismus und Reaktionismus. Das äußert sich beispielsweise darin, dass man die Ostgrenze Deutschlands nicht anerkennt und es beim Intonieren der Nationalhymne für jeden Burschen selbstverständlich ist, alle 3 Strophen zu singen. Des weiteren versammeln sich die Chemnitzer Burschenschafter (pB! und Arminia) alljährlich am fünften März zum Gedenken an die Bombardierung unserer Stadt im Jahre 1945. Mit dieser Veranstaltung verbinden sie die Relativierung von NS – Verbrechen und die Beschwörung eines deutschen Opfermythos.

Im Rahmen dieser Aktivitäten ist auch die Schülerzeitung „Blaue Narzisse“ ins Blickfeld geraten, da mehr als die Hälfte des Autorenkollektivs aktive Mitglieder der pB! sind. Dementsprechend werden auch in den Texten immer wieder konservative bis reaktionäre Werte betont, die heutige Geschichtsschreibung in Frage gestellt und jegliche alternative Jugendkultur als verdorben dargestellt. Somit kann die „Blaue Narzisse“ durchaus als Plattform zur Verbreitung des rechtskonservativen, geschichtsrevisionistischen Weltbildes der pB! angesehen werden.

Einzelne Mitglieder der pB! grüßten sich über Jahre hinweg öffentlich mit dem sogenannten „schlampigen Führergruß“ und es wurden Ausflüge zu den ehemals deutschen Ostgebieten oder zum Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess organisiert. Mittlerweile bildet sich eine engagierte Gegenöffentlichkeit zur pB! und den anderen Chemnitzer Burschenschaften. So wurde die Verteilung der „Blauen Narzisse“ an mehreren Schulen verboten und es erschienen zahlreiche Aufklärungsflyer aus unterschiedlichen Quellen. Trotzdem sind diese Versuche, dem Treiben der Burschenschaften ein Ende zu bereiten, noch vereinzelt und bei weitem nicht ausreichend.


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  1. 1 NYblog » Blog Archive » Burschenschaften und die TU Ilmenau. Pingback am 23. November 2006 um 0:48 Uhr
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